Zeitzeugenprojekt: Ausgrenzung und Verfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus
Die FU Berlin verfügt über den einzig möglichen Zugang zum Archiv innerhalb Europas – also wirklich eine Besonderheit für unsere SchülerInnen dort arbeiten zu können. Frau Dr. Brauer gab uns einen Einblick in die Arbeit des Archivs und betreute uns ganz ausgezeichnet während des gesamten Projekttages. Am Ende dieses Tages entstanden unterschiedliche Beiträge. Einige Schüler erstellten Collagen als Präsentation der Arbeit, andere schrieben Beiträge, die z.B. auf der Website der Schule gestellt werden können, um über die verschiedenen Aktivitäten der 7/8/9 zu berichten.
Beitrag von Daniela Oswald (7/8/9)
Folgenden Beitrag von Daniela Oswald (Schülerin 7/8/9) möchten wir hier veröffentlichen:
Das „visual history archiv“ beinhaltet 52 000 Videointerviews aus 56 Ländern mit Zeitzeugen des Holocaust. Steven Spielberg hat, nachdem er den Film „Schindlers Liste“ gedreht hat, von dem Geld, was dieser Film eingebracht hat, Zeugen des Holocaust gesucht, um sie zu interviewen. Das Archiv wurde von 1995-2000 aufgebaut, doch es wird immer wieder weiter daran gearbeitet.
Über den Zeitzeugen Alfred Jachmann
Alfred Jachmann ist am 12. Juli 1927 in Arnswalde geboren. Er hat eine ältere Schwester. Er ist Jude. Als Alfred 10 Jahre alt ist, bekommt er die Ausgrenzung der Juden zum ersten Mal richtig zu spüren. Er betritt morgens den Klassenraum und ihm wird verboten, auf seinem angestammten Platz zu sitzen. Er muss von nun an alleine hinten im Klassenraum sitzen. Er wird von vielen Aktivitäten der Klasse ausgeschlossen, wie z.B. dem Klassensport.
Als ihm und seiner Schwester auf der Straße „Jude“ nachgerufen wird und er dies seinem Vater erzählt, meint dieser nur: Antisemitismus gab es schon immer, das legt sich wieder! Alfred nimmt das Ganze nicht so ernst. Er ist mit anderen Dingen beschäftigt. Er spielt gern mit seinen Freunden und tut Dinge, die jeder Junge in seinem Alter gern tut. Er führt ein weitgehend unbeschwertes Leben.
Das alles ändert sich, als im November 1937 sein Vater ganz plötzlich nach Sachsenhausen in das KZ verschleppt wird. Die Familie hat 3 Tage Zeit, um Arnswalde zu verlassen. Sie flüchten zu einer Tante nach Berlin.
Dort wird Alfred zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik verpflichtet. Im Juli 1939 wird sein Vater aus dem KZ Sachsenhausen entlassen. Doch Alfred erkennt seinen Vater kaum wieder. Sein Kopf ist kahl geschoren, er hat eingefallene Wangen. Und lacht nicht mehr. Er erkennt in diesem Mann nicht seinen Vater wieder.
Im Februar 1943 werden Alfred und sein Vater nach Auschwitz deportiert. In Ausschwitz wird sein Vater ermordet. Alfred kehrt nach der Befreiung des Lagers wieder nach Berlin zurück. Dort arbeitet er in einem jüdischen Altersheim. Später übernimmt er die Leitung des jüdischen Altenheimes in Frankfurt am Main. Im Februar 2002 stirbt Alfred Jachmann im alter von 75 Jahren.
Meine Eindrücke und Erfahrungen:
Für mich war die Arbeit im visual history archiv ein unglaubliches Erlebnis. Diese Menschen dabei zu sehen, wie sie über ihre Erlebnisse aus dieser Zeit berichten, war wirklich eine Erfahrung.
Man sieht, was die Menschen fühlen, wenn sie ihre Geschichte erzählen. Das hat mich unglaublich berührt. Dieses Archiv ist ein wahres Geschenk, und wenn man die Chance hat, es zu nutzen, sollte man das auf jeden Fall tun.“
Daniela Oswald
Nach dieser sehr intensiven Arbeit im „visual history archiv“ entstand bei den Schülern der Wunsch, die Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen. Dorthin sind wir dann auch gefahren.



