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Leben und Wirken von Maria Montessori (1870–1952)

Maria MontessoriSchon in ihrer Schulzeit interessierte sich Maria Montessori für Naturwissenschaften und besuchte – gegen den Widerstand ihres konservativen Vaters – eine technische Oberschule. Sie wollte Medizin studieren, wurde jedoch an der Universität abgewiesen.
Gegen den Willen der Eltern studierte sie zunächst Ingenieurwesen und Mathematik. Nach Ablegen der Prüfungen erlangte sie die Berechtigung zur Aufnahme eines Medizinstudiums. In die Domäne der Männer einzudringen, schien nicht nur unerhört, sondern geradezu unmöglich. 1896 promovierte sie an der Universität Rom als erste Frau Italiens.

In den letzten beiden Jahren ihres Studiums arbeitete sie bereits als Assistentin an einer psychiatrischen Klinik. 1896 bis 1898 folgte eine Anstellung als Assistenzärztin in der römischen Universitätskinderklinik, Abteilung Kinderpsychiatrie. Im Umgang mit den geistig behinderten, kleinen Patienten erkannte sie den Tätigkeitsdrang und Eigenantrieb, der allen Kindern zugrunde liegt. Sie war der Überzeugung:

»Das Problem dieser Kinder ist in erster Linie ein pädagogisches, nicht ein medizinisches«.

Sie stieß auf die Werke von J. G. Itard und E. Seguin, die beide davon überzeugt waren, behinderte Kinder durch besondere Förderung anregen zu können. Unter Einbringung von Sinnesmaterialien, in Kombination mit medizinischen Erkenntnissen, entwickelte sie eine pädagogische Methode, mit der sie in ihrer Arbeit als Dozentin an der Lehrerbildungsanstalt und Direktorin eines heilpädagogischen Instituts in Rom (1898–1900) beachtliche Erfolge erzielte. Ihre Zöglinge leisteten oft bereits nach zwei Jahren genauso viel wie gesunde Kinder. Maria Montessori begann sich zu fragen, was am »normalen« Schulsystem so falsch sein könne, dass geistig gesunde Kinder derartig schwache Leistungen erbringen. Sie nahm die Arbeit in einer eigenen Praxis auf. Danach begannen ihre wichtigsten Forscherjahre.

Maria Montessori wurde aus Beziehung mit dem angesehenen Arztkollegen Dr. Giuseppe Montesano schwanger. Ihr einziges Kind, Sohn Mario, wurde im März 1898 geboren. Da ein uneheliches Kind das Ende ihrer Karriere bedeuten würde, hält sie die Geburt geheim und gibt ihren Sohn außerhalb Roms in Pflege. Später begleitet er sie bis zu ihrem Tod als Sekretär und wahrscheinlich auch als Hersteller der von ihr erdachten Entwicklungsmaterialien.

Maria Montessori umgeben von Kindern

1901 nahm Maria ein Studium der Anthropologie, Psychologie und Erziehungsphilosophie auf. Nebenher besuchte sie viele Schulen und machte dort anthropologische Untersuchungen. 1904 wird sie zur Professorin für Anthropologie an der Universität Rom ernannt. Sie hielt Vorlesungen zur Anthropologie und Pädagogik am Pädagogischen Institut in Rom. Bis 1907 entwickelte sie ihre anthropologisch-biologische Theorie und beschäftigte sich mit den neuropsychiatrischen Grundlagen, auf denen ihre Pädagogik und ihre praktischen Experimente in den Kinderhäusern beruhen.

Am 6. Januar 1907 eröffnete sie eine Tagesstätte für geistig normale Kinder aus sozial schwachen Familien, die sogenannte Casa dei Bambini (italienisch Kinderhaus), im römischen Arbeiterbezirk San Lorenzo. Ursprünglich sollten diese nur in einem »Volkswohnhaus« verwahrt werden. Bei der Betreuung übertrug sie dann die Hilfsmittel, die sie für die Förderung geistig behinderter Kinder entwickelt hatte, auf die Kinder der armen Leute. Die Ergebnisse waren so überwältigend gut, dass sie sie »mit größtem Staunen und Ungläubigkeit erfüllten«, wie sie in »Kinder sind anders« selber beschreibt und daraus Schritt für Schritt ihre Methode entwickelte.

Die Entwicklung des Kindes zu einem selbstständigen unabhängigen Menschen soll ganzheitlich, d.h. mit allen Sinnen geschehen. Maria Montessori entwickelte aus diesem Grundsatz ihre pädagogische Konzeption, die das Kind in seiner Würde und Individualität anerkennt, und als Baumeister seiner Persönlichkeit in den Mittelpunkt der Erziehung stellt.
Das selbstständige Lernen bedarf einer speziell vorbereiteten Umgebung, das Kind braucht:

Maria Montessori mit KindEine Fülle von speziellen Materialien für verschiedene Lernbereiche wurde von Montessori entwickelt. Das Material ist so aufgebaut, dass es in einzelnen Lernschritten vom Konkreten zum Abstrakten führt. Es hat einen hohen Aufforderungscharakter und regt die Kinder zur spontanen Aktivität an. Je nach Entwicklungsphase nutzen sie aus dem Angebot das ihren individuellen Bedürfnissen entsprechende Material.

Aus den in dieser Zeit gemachten Erfahrungen entwickelte sie die Montessori-Methode (Il metodo della pedagogia scientifica, erste Fassung 1909 danach ständig erweitert, und L‘autoeducazione, 1916) zur Erziehung von Kindern, die heute in vielen Teilen der Welt populär geworden ist.

Im Jahre 1939 reiste Maria Montessori auf Einladung der Theosophischen Gesellschaft nach Indien, um Vorträge und Ausbildungskurse zu halten. Sie wandte sich bewusst gegen die Vereinnahmung ihrer Pädagogik durch das faschistische Mussolini-Regime, worauf hin all ihre Schulen in Italien geschlossen wurden. Indien verlies sie zum ersten Mal 1946 und kehrte erst 1949 endgültig nach Europa zurück.
Während dieser Zeit entwickelte sie insbesondere das Prinzip der »Kosmischen Erziehung« und den »Erdkinderplan« (Jugendschule).

Bis zum Ende ihres Lebens verbrachte sie ihre Zeit in den Niederlanden, wo sich heute auch der Hauptsitz der Association Montessori Internationale (AMI) befindet.
Nach dem Tod seiner Mutter 1952 leitete Mario Montessori die Gesellschaft bis zu seinem Tod 1982.

Wichtige Werke